Grippeimpfung zu hoch dosiert
Zwei Studien bestätigen: Bisherige Vorgangsweise falsch
London (5. November 2004) - Ein Fünftel der Grippeimpfstoff-Dosis reicht
völlig aus, um einen erwachsenen Menschen vor der Krankheit zu schützen. Nur
müsse das Vakzin direkt ins Fleisch und nicht in den Muskel gespritzt
werden. Zu diesem Schluss kommen zwei Studien über die Grippeimpfung im New
England Journal of Medicine, berichtet das Wissenschaftsmagazin
New Scientist.
Diese Tatsache würde im Falle eines Notfalls die Behandlung wesentlich
erleichtern, und es wäre sinnvoll gewesen diese Erkenntnis etwas früher
gewonnen zu haben, meinen die Experten. Vor allem in den USA ist es in
diesem Herbst zu Problemen mit der Versorgung von Grippe-Impfstoffen
gekommen. Für die kommende Impfsaison könnten die beiden Studien aber
weitreichende Folgen haben. Am 11. November treffen sich die 16 größten
Impfstoffhersteller gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO in
Genf um im Falle einer Epidemie Schritte zu überlegen. Zu tief sitzt nämlich
jene Angst, dass es wieder zu einem Ausbruch einer Grippe wie 1918/19 kommen
könnte. Dabei kamen mehr Menschen ums Leben als beim 1. Weltkrieg.
Zum einen rät die Studie dazu die Impfung ähnlich wie jene gegen
Tuberkulose, BCG, intradermal, also direkt unter die Haut zu verabreichen.
Dabei bildet sich eine deutlich sichtbare runde Vorwölbung der Oberhaut, die
als "Quaddel" bezeichnet wird. Die intradermale Injektion wird auch häufig
bei Allergietests durchgeführt. Die Haut hält ein geringeres Volumen von
injizierter Flüssigkeit als ein Muskel. Einer Studie aus den 70er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts zufolge war der optimale Schutz eine 0,5
Milliliter Dosis, die tief in den Muskel injiziert werden musste.
Die beiden neuen Studien hingegen gehen allerdings von Dosen von 0,1
Milliliter interdermal injiziert aus. Die eine Forschergruppe um Robert
Belshe von der amerikanischen St. Louis University untersuchte einen neuen
Impfstoff von GlaxoSmithKline, der 40 Prozent der Standard intramuskulären
Dosis an Influenza-Proteinen abgibt. Die zweite Forschergruppe um Richard
Kenny vom Pharmahersteller R&D in Gaithersberg, Maryland, hat verschiedene
Volumina der Standard-Impfung untersucht. Sie verabreichte jeweils nur ein
Fünftel der normalen Dosis.
Beide Studien ergaben, dass die Geimpften dieselbe Menge an Antikörpern
entwickelten. Belshes Studie inkludierte auch über 65-Jährige, die mehr als
90 Prozent der Todesfälle ausmachen und die besonders schlecht auf die
Vakzine ansprechen. Sie reagierten nur unwesentlich schlechter auf die
intradermale Verabreichung als auf die intramuskuläre. (pte/ww)
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