Übermäßig schreiende Babys haben später Probleme
Studie über Weinen und Intelligenz, Motorik und Verhalten
Bethesda, Maryland (3. November 2004) - Babys, die ohne erkennbaren Grund
fortgesetzt weinen, haben später in der Kindheit Schwierigkeiten. Zu diesem
Schluss kommt eine Studie des
US National Institute of Health (NIH), die damit frühere
Forschungsergebnisse aus Großbritannien bestätigt. Übermäßiges,
unkontrolliertes Weinen, das über die ersten drei Lebensmonate hinaus
andauert, wird mit Verhaltensproblemen und einem niedrigeren IQ
(Intelligenzquotienten) im Alter von fünf Jahren in Verbindung gebracht. Die
Experten warnen die Eltern aber, dass das Weinen meistens normal ist und sie
sich nicht übermäßig sorgen sollen.
Das Team vom NIH hat mit Wissenschaftlern der
Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie kooperiert und 327
Babys und ihre Eltern untersucht. Sie erhoben die Wein-Muster der Babys im
Alter von sechs beziehungsweise 13 Wochen und ob sich das Geschrei auf eine
simple Kolik zurückführen ließe. Im Alter von fünf Jahren wurden
Intelligenz, motorische Fähigkeiten und Verhalten gemessen. Die Kinder, die
über das Alter von drei Monaten hinaus fortgesetzt weinten, ohne dass eine
Kolik dafür verantwortlich war, hatten einen um neun Punkte niedrigeren IQ.
Außerdem wurden schwächere feinmotorische Fähigkeiten, Hyperaktivität und
disziplinäre Probleme in der Kindheit festgestellt.
2002 hatte ein britisches Team von der
Universität Bristol unter der Leitung von Dieter Wolke herausgefunden, dass
häufiger schreiende Babys eine 14 Mal so hohe Wahrscheinlichkeit aufwiesen,
die Aufmerksamkeitsstörung ADHD zu entwickeln und in der Schule mehr
Schwierigkeiten haben als andere Achtjährige. Laut Wolke lernen es diese
Babys trotz bester Pflege nicht, sich selbst zu beruhigen. Zwar beträfe das
Problem nur zwei bis fünf Prozent der Fälle, das seien aber auch schon
zwischen 14.000 und 35.000 Kinder jedes Jahr allein in Großbritannien, so
Wolke. Weiters seien diese Babys eher gefährdet, mit kleinen Änderungen in
routinemäßigen Abläufen nicht umgehen zu können. "Ein strenges, reguliertes
Fürsorgeprinzip, das aber nichts an Wärme und Liebe vermissen lässt, scheint
das Ausmaß an Schreien zu reduzieren", erklärt Wolke. (pte/mg)
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