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Montag, 12. Mai 2008

 
 

 

Wärmere Zukunft für die Arktis

WWF fordert sofortige Beschränkung der CO2-Emissionen
 

Seelöwe im ewigen Eis (Foto: Captain Budd Christman, NOAA Corps)Reykjavik (3. November 2004) - Ein umfassender wissenschaftlicher Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich die nördliche Eisdecke doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt und dass das zu ernsten Konsequenzen für den Planeten führt. Diese inkludieren einen erheblichen Anstieg der Meeresspiegel und eine Intensivierung der globalen Erwärmung durch Rückkopplungseffekte, obwohl es auch Vorteile gibt. Die vierjährige wissenschaftliche Erhebung wurde von einem internationalen Team von 300 Wissenschaftlern für das Weiter Informationen siehe Linkverweis unten Arktische Konzil, das aus acht Nationen besteht, die über einen Zugang zur Arktis verfügen, durchgeführt.

Jennifer Morgan vom Weiter Informationen siehe Linkverweis unten WWF (World Wildlife Fund), Zuständige für den Klimawandel, kommentiert den aktuellen Bericht folgendermaßen: "Das große Schmelzen hat begonnen. Die Industrieländer führen ein unkontrolliertes Experiment durch, um die Effekte des Klimawandels zu studieren, und die Arktis ist ihr Versuchstier. Das ist unethisch und falsch. Sie müssen die CO2-Emissionen sofort eindämmen." Die Wissenschaftler haben fünf Klimamodelle erstellt. Eines dieser Modelle sagt vorher, dass die Arktis 2070 so warm sein wird, dass im Sommer gar kein Eis mehr vorhanden ist. Ein anderes geht davon aus, dass die Eisverteilung der Arktis bis 2100 um 50 bis 60 Prozent zurückgehen wird.

Die Arktis ist als erstes betroffen

Die Arktis wird der erste Teil der Erde sein, der von der globalen Erwärmung betroffen ist, weil die Erwärmung am nördlichen Pol durch Rückkopplungseffekte verstärkt wird. Schnee und Eis reflektieren 80 bis 90 Prozent der Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum. Wenn diese weißen Oberflächen verschwinden, wird mehr solare Strahlung vom darunter liegenden Land oder Meer als Hitze absorbiert. Diese Hitze wiederum schmilzt mehr Schnee und Eis. Ein anderer Grund für die Sensibilität der Arktis ist, dass die Luft extrem trocken ist. Das bedeutet, dass weniger Energie benötigt wird, um Wasser zu verdampfen. Diese bleibt als Hitze übrig.

Eine wärmere Arktis hat viele Konsequenzen. "Es ist eine Wertfrage. Für die Ölindustrie ist es ein Vorteil, wenn das Eis verschwindet, weil der Zugang zu Öl- und Gasreserven verbessert wird", erklärt der Vizevorsitzende des Komitees für den Bericht Pal Prestrud. 25 Prozent der verbleibenden Reserven befinden sich in der Arktis. Dagegen sind die Inuit, die am Eis leben, nachhaltig bedroht. Das schmelzende Eis und das Auftauen der Tundra hat einen großen Einfluss auf wild lebende Tiere. Spezies wie der Eisbär und viele Tausende andere sind höchst gefährdet.

Treibhausgasreduktion finanziell machbar

Wie lange hält das ewige Eis noch? (Foto: Captain Budd Christman, NOAA Corps)Um die Folgen der globalen Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen, sind nach Aussagen des britischen Forschers John Schellnhuber nur etwa 0,3 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts erforderlich, berichtet Weiter Informationen siehe Linkverweis unten BBC-online. Der Forscher, der bei einer Konferenz in Berlin die Zahlen nannte, ist auch der Ansicht, dass schleunigst etwas gegen die Erwärmung zu unternehmen sei, ansonsten drohen Katastrophen.

Als Schritte gegen eine Erwärmung komme nur eine Reihe von Maßnahmen in Frage, erklärte der Wissenschaftler, der Forschungsdirektor des Weiter Informationen siehe Linkverweis unten Tyndall Centre for Climate Change an der East Anglia University ist. Dazu zähle eine Effizienz-Steigerung der Kraftfahrzeuge sowie eine verbesserte Energiebilanz von Gebäuden. Wo es möglich sei, müssten Kohle, Öl und Gas durch andere umweltfreundlichere Energiequellen ersetzt werden. Auch müsse das Abholzen der großen Waldgebiete unbedingt eingeschränkt werden. Kontroversiell argumentiert Schellnhuber für den Einsatz von Atomenergie um das Verbrennen von Kohle zu vermindern.

Kosten betragen 0,3 Prozent des globalen BSP

In den Hochrechnungen schätzt Schellnhuber die Kosten dieser Maßnahmen auf etwa 0,3 bis 0,5 Prozent des gesamten Bruttosozialprodukts aller Länder. Der Experte glaubt, dass unter allen Umständen die Erwärmung verhindert werden müsse. "Die Steigerungsrate der Kohlendioxidwerte in den vergangenen zwei Mio. Jahren ist beispiellos", so der Wissenschaftler. Allein seit der industriellen Revolution ist der CO2-Wert um mehr als 30 Prozent auf heute 380 ppm gestiegen. "Ohne Maßnahmen wird dieser Wert auf 1.000 ppm bis zum Jahr 2100 steigen", zeigt sich der Fachmann überzeugt. "Es gibt keine magische Waffe gegen die globale Erwärmung, sondern nur eine Reihe von zu setzenden Maßnahmen", meint Schellnhuber.

Der Wissenschaftler gibt auch zu bedenken, dass eine Verdoppelung der CO2-Werte automatisch eine Temperaturerhöhung von mindestens 1,5 bis sechs Grad Celsius mit sich bringen würde. Nach jüngsten Ergebnissen ist eine Steigerung um drei Grad am wahrscheinlichsten. (pte/mg, ww)

 

Interessante Links zum Thema

Weitere Informationen

Arktische Konzil
WWF - World Wildlife Fund
Tyndall Centre for Climate Change
BBC

 

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