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Donnerstag, 15. Mai 2008

 
 

 

Eine Geschichtliche voller Abenteuer

Alles wissenswerte rund um die kleinen Stoffe

Vitamine sind lebensnotwendige Stoffe und unentbehrlich für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Sie sind notwendig, um die Nahrungsbestandteile Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett in Energie und Baustoffe für Organe und Gewebe umzuwandeln. Sie sorgen so für körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Die wurde jedoch erst am Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt.


Seebären hatten es nicht einfach

Seereise in frühen Tagen.
Eine Vitamin C-Mangelerscheinung mit denen die Schiffsbesatzungen zu kämpfen hatten: Skorbut.

Der Beruf des Seemanns war Mitte des 18. Jhd. kein Zuckerschlecken. Neben der dauernden Bedrohung von Krieg und Piraten hatten die Seemänner vor allem mit einer mysteriösen Seekrankheit zu kämpfen, die ganze Schiffsbesatzungen dahinraffte: Skorbut. Wie damals üblich bestand die Hauptnahrung der Seeleute aus einer Mischung von Pökelfleisch, Bohnen und Keksen. Diese einseitige Ernährung jedoch führte dazu, dass der Besatzung schon bald das Zahnfleisch zu bluten anfing und letztendlich ausfielen. Die zunehmende schlechte Motorik tat ihr übriges. Erst das "Wundes des Seemanns Zoe" ließen die englischen Seelords der königlichen britischen Marien aufhorchen. Zoe wurde - wie damals üblich - von fortgeschrittenen Skorbut geplagt und von seinem Schiff auf eine Insel zum sterben gebracht. Er ernährte sich mühsam von Gras und schon nach wenigen Tagen war er wieder genesen. Ein vorbeifahrendes Schiff nahm ihn nach England mit zurück.

Die Geschichte verbreitete sich rasch auf der Insel und der britische Marinearzt James Lind machte sich daran herauszufinden, mit welchen Nahrungsmitteln man der "Geisel der Seefahrt" Einhalt gebieten konnte. In einer Abhandlung über Skorbut vertrat er die These, dass die Krankheit verhindert werden könne, wenn die Seeleuten Limonensaft bekommen würden. 1795 wurde dies von oberster Stelle aus verordnet und die Gefahr war gebannt und die engl. Seeleute erhielten den Spitznamen "Limeys". Doch erst im Jahre 1928 gelang dem es dem ungarischen Wissenschaftler Albert Szent-Györgyi diesen rettenden Stoff zu isolieren. Vier weitere Jahr sollte es noch dauern, bis die beiden amerikanischen Forscher Waugh und King erkannten, dass es sich bei der von Szent-Györgyi entdeckten Substanz um Vitamin C handelte.
 

Farmarbeit im frühen Amerika.
Pellagra - eine Mangelerscheinung, deren Ursprung im Fehlen des Vitamins B2 und B3 zu suchen war.


Landwirtschaftliche Probleme in Amerika

Der amerikanische Süden Anfang 1900 war geprägt von Landwirtschaft, vorwiegend Maisanbau. Hauptnahrung der zumeist armen Siedler war daher Maisbrei, ein wenig Fleisch und Maisbrot. Doch schon bald waren unter den Siedlern Veränderungen zu erkennen: Sie fühlten sich schlaff, hatten Depressionen, Durchfall, die Augenlinsen trübten sich und ihr Haut zeigte eine rötliche Veränderungen.

Die gleichen Symptome wurden schon auf in Europa beobachtet. Die spanischen Eroberer des südamerikanisches Kontinents brachten Mais mit nach Europa, um ihn als Hauptnahungsquelle für die breite Bevölkerung anzubauen. Erst als das
eiweißarmen Nahrungsangebot mit anderen Lebensmitteln kombiniert wurde, verschwand die als Pellagra bekannte Krankheit. 1915 entdeckte Dr. Joseph Goldberger, dass es sich um Pellagra um eine Mangelerscheinung handelte, die Ihren Ursprung im Fehlen eines Vitamins hatte. Heute ist dies bekannt, dass die Erkrankung durch ein Mangel an Niazin hervorgerufen wird, welches von den Darmbakterien aus der Aminosäure Tryptophan hergestellt wird, heute bekannt unter B2 und B3.

 

Kohleminen im England des 18. Jahrhunderts.
Rachitis - oder auch englische Krankheit  - war vor allem unter den Kindern der englischen  Armen weit verbreitet.

Eine Kinderkrankheit in England greift um sich

In den Kohlebergwerken Mittelenglands war Kinderarbeit im 18. Jahrhundert nichts besonders. Nur die Kinder waren in der Lage, in die engen Flöze zu kriechen und die Kohlewaagen darin zu bewegen. Nur selten sehen sie damals das Sonnenlicht, dauert doch ein Arbeitstag in der Regel 14 Stunden, sieben Tage die Woche.

Eine weit verbreitete Krankheit suchte in dieser Zeit seine Opfer und den Schwächsten. Verkümmerte Wirbelsäulen und Gelenke waren die äußeren Anzeichen der schon bald als die "englische Krankheit" bekannte Erscheinung. Erst spät wurde erkannt, dass diese Knochendeformation im direkten Zusammenhang mit dem Mangel an Sonnenlicht stand. Vitamin D wird zwar im Gegensatz zu anderen Vitaminen vom Körper selbst aus
Cholesterol hergestellt, kann jedoch seine kalziumregulierende Wirkung nur unter Einwirkung von UV-Licht entfalten. Dadurch kommt es zu entsprechenden Störungen im Kalzium-Haushalt, der wiederum für den Knochenaufbau zuständig ist.

Als diese Zusammenhänge erkannt wurden, wurde Rachitis durch eine verstärkte Zufuhr an Vitamin D durch den täglichen Löffel Lebertran und ausreichend Sonne bekämpft.
 


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