Eine Geschichtliche voller Abenteuer
Alles wissenswerte rund um die kleinen Stoffe
Vitamine sind lebensnotwendige Stoffe und
unentbehrlich für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Sie sind notwendig, um
die Nahrungsbestandteile Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett in Energie und
Baustoffe für Organe und Gewebe umzuwandeln. Sie sorgen so für körperliche
und geistige Leistungsfähigkeit. Die wurde jedoch erst am Anfang des 20.
Jahrhunderts erkannt.
Seebären hatten es nicht
einfach

Eine Vitamin C-Mangelerscheinung mit denen die
Schiffsbesatzungen zu kämpfen hatten: Skorbut. |
Der Beruf des Seemanns war Mitte des 18. Jhd.
kein Zuckerschlecken. Neben der dauernden Bedrohung von Krieg und Piraten
hatten die Seemänner vor allem mit einer mysteriösen Seekrankheit zu
kämpfen, die ganze Schiffsbesatzungen dahinraffte: Skorbut. Wie
damals üblich bestand die Hauptnahrung der Seeleute aus einer Mischung von
Pökelfleisch, Bohnen und Keksen. Diese einseitige Ernährung jedoch führte
dazu, dass der Besatzung schon bald das Zahnfleisch zu bluten anfing und
letztendlich ausfielen. Die zunehmende schlechte Motorik tat ihr übriges.
Erst das "Wundes des Seemanns Zoe" ließen die englischen Seelords der
königlichen britischen Marien aufhorchen. Zoe wurde - wie damals üblich -
von fortgeschrittenen Skorbut geplagt und von seinem Schiff auf eine Insel
zum sterben gebracht. Er ernährte sich mühsam von Gras und schon nach
wenigen Tagen war er wieder genesen. Ein vorbeifahrendes Schiff nahm ihn
nach England mit zurück.
Die Geschichte verbreitete sich rasch auf der Insel und der britische
Marinearzt James Lind machte sich daran herauszufinden, mit welchen
Nahrungsmitteln man der "Geisel der Seefahrt" Einhalt gebieten konnte. In
einer Abhandlung über Skorbut vertrat er die These, dass die Krankheit
verhindert werden könne, wenn die Seeleuten Limonensaft bekommen würden.
1795 wurde dies von oberster Stelle aus verordnet und die Gefahr war gebannt
und die engl. Seeleute erhielten den Spitznamen "Limeys". Doch erst im Jahre
1928 gelang dem es dem ungarischen Wissenschaftler Albert Szent-Györgyi
diesen rettenden Stoff zu isolieren. Vier weitere Jahr sollte es noch
dauern, bis die beiden amerikanischen Forscher Waugh und King erkannten,
dass es sich bei der von Szent-Györgyi entdeckten Substanz um Vitamin C
handelte.

Pellagra - eine Mangelerscheinung, deren
Ursprung im Fehlen des Vitamins B2 und
B3 zu suchen war. |
Landwirtschaftliche Probleme in Amerika
Der amerikanische Süden Anfang 1900 war geprägt von Landwirtschaft,
vorwiegend Maisanbau. Hauptnahrung der zumeist armen Siedler war daher
Maisbrei, ein wenig Fleisch und Maisbrot. Doch schon bald waren unter den
Siedlern Veränderungen zu erkennen: Sie fühlten sich schlaff, hatten
Depressionen, Durchfall, die Augenlinsen trübten sich und ihr Haut zeigte
eine rötliche Veränderungen.
Die gleichen Symptome wurden schon auf in Europa beobachtet. Die spanischen
Eroberer des südamerikanisches Kontinents brachten Mais mit nach Europa, um
ihn als Hauptnahungsquelle für die breite Bevölkerung anzubauen. Erst als
das eiweißarmen
Nahrungsangebot mit anderen Lebensmitteln
kombiniert wurde, verschwand die als Pellagra bekannte Krankheit.
1915 entdeckte Dr. Joseph Goldberger, dass es sich um Pellagra um eine
Mangelerscheinung handelte, die Ihren Ursprung im Fehlen eines Vitamins
hatte. Heute ist dies bekannt, dass die Erkrankung durch ein Mangel an
Niazin hervorgerufen wird, welches von den Darmbakterien aus der
Aminosäure Tryptophan hergestellt wird, heute bekannt unter B2
und B3.

Rachitis - oder auch englische Krankheit - war vor allem unter den
Kindern der englischen
Armen weit verbreitet. |
Eine Kinderkrankheit
in England greift um sich
In den Kohlebergwerken Mittelenglands war Kinderarbeit im 18. Jahrhundert
nichts besonders. Nur die Kinder waren in der Lage, in die engen Flöze zu
kriechen und die Kohlewaagen darin zu bewegen. Nur selten sehen sie damals
das Sonnenlicht, dauert doch ein Arbeitstag in der Regel 14 Stunden, sieben
Tage die Woche.
Eine weit verbreitete Krankheit suchte in dieser Zeit seine Opfer und den
Schwächsten. Verkümmerte Wirbelsäulen und Gelenke waren die äußeren
Anzeichen der schon bald als die "englische Krankheit" bekannte Erscheinung.
Erst spät wurde erkannt, dass diese Knochendeformation im direkten
Zusammenhang mit dem Mangel an Sonnenlicht stand. Vitamin D wird zwar im
Gegensatz zu anderen Vitaminen vom Körper selbst aus Cholesterol
hergestellt, kann jedoch seine
kalziumregulierende Wirkung nur unter Einwirkung von UV-Licht entfalten.
Dadurch kommt es zu entsprechenden Störungen im Kalzium-Haushalt, der
wiederum für den Knochenaufbau zuständig ist.
Als diese Zusammenhänge erkannt wurden, wurde Rachitis durch eine
verstärkte Zufuhr an Vitamin D durch den täglichen Löffel Lebertran und
ausreichend Sonne bekämpft.
|
 |
|